UKW-Rundfunkempfang im Tal der Ahnungslosen



1. Die Gegebenheiten

Wie auch beim Fernsehempfang war der Empfang von UKW-Rundfunk im Dresdner Elbtal aufgrund der großen Entfernungen zu den Sendern in Westberlin und Hof kritisch. Bis zur Inbetriebnahme des Fernsehturms Ende 1969 war der Empfang von Hörfunksendern fast überall in Dresden möglich, z.B mit einer Au▀endach-UKW-Antenne mit 3-5 Elementen und größer. Ausnahmen gab es an ungünstigen Standorten.
Beispielsweise waren in Höhe der Nürnberger Straße in der Südvorstadt nur Sender aus nördlicher Richtung (Berlin) zu empfangen, auf der Leisniger Straße in Pieschen hingegen Hof und Berlin, also aus südlicher und nördlicher Richtung. Verschiedene unterschiedliche Empfangssituationen habe ich selbst erlebt: Südvorstadt, Südhöhe, Striesen, Pieschen, Hellerau/Wilschdorf.
Mit Inbetriebnahme des Fernsehturms änderte sich das schlagartig:
Durch die 4 starken Ortssender wurde vom UKW-Tuner Höchstleistung abverlangt. Er mußte Empfangssignale von bis zu 1 Veff verarbeiten und dennoch benachbarte Fernsender mit wenigen ÁV Empfangssignal empfangen können. Mit Röhrenradios war das in gewissen Grenzen möglich. Eine Röhre hat eine quadratische Eingangskennlinie und erzeugt dadurch eine begrenzte Menge an Oberwellen. Mit Eingangsempfindlichkeiten ab 2 ÁV waren also Röhrenempfänger durchaus geeignet.
Aber gerade Mitte der 1960er Jahre setzten sich Transistorradios mehr und mehr durch. Das hatte fatale Folgen, denn im Tuner eingesetzte bipolare Transistoren sind an dieser Stelle denkbar ungeeignet. Sie haben eine exponentielle Eingangskennlinie und erzeugen dadurch ein breites Spektrum an Oberwellen, die sich dann noch mit den Oberwellen des Oszillators mischen. Dadurch kommt es zu Kreuzmodulation und Mehrfachempfang. Die gesamte UKW-Skala ist voll von "Sendern", hier allgemein bekannt als "Vogelwieseneffekt", weil man, wie auf dem Rummel, die Musik vom Kettenkarussell, der Wellenbahn, dem Riesenrad und die Lockrufe des Losverkäufers gleichzeitig hört.
Erst in den 1980er Jahren, gab es von der DDR-Konsumgüterproduktion hergestellte hochwertige Radios, die die schwierigen Empfangsbedingnugen zufriedenstellend meisterten. Dennoch gilt auch hier: der einigermaßen gute Empfang von Stereosendungen westlicher Sender war mit ausreichendem Signal-Rausch-Abstand nur in den höhergelegenen Randgebieten möglich.


2. Empfangsanlage

Jetzt wird es technisch, denn es wird ein Empfangsteil beschrieben, daß ich 1973 aufgebaut hatte. Die Unterlagen und die Technik des Empfängers sind noch vorhanden, sodaß ich darauf zurückgreifen kann.

Der Tuner

Überlegungen:
- Wegen der quadratischen Eingangskennlinie sollen Feldeffekt-Transistoren eingesetzt werden.
- Die Wahl fiel auf den BF245B, da die Verstärkung wegen der Begrenzung am Stufenausgang nicht zu hoch sein sollte.
- Dieser Transistor ist nicht so steil und hat eine hinreichend lange Eingangskennlinie. -

Wird fortgesetzt



Meßkurve 1
Bild 1: Signal-Rausch-Abstand des Tuners über der Eingangsspannung

Meßkurve 2
Bild 2: Verstärkung des Tuners über der Frequenz

Meßkurve 3
Bild 3: Signal-Rausch-Abstand des ZF-Verstärkers über der Eingangsspannung

Meßkurve 4
Bild 4: NF-Signal in Abhängigkeit vom Hub (75kHz Hub = 0db)

Schaltung
Bild 5: Schaltung des 6-Kreis-FET-Tuners

Lageplan
Bild 6: Lageplan des FET-Tuners

Leiterbild
Bild 7: Leiterbild des FET-Tuner-LP

Foto vom Tuner
Bild 8: Tuner geöffnet (hier ein Nachbauversuch des FD11 von Valvo)

Schaltung
Bild 9: Schaltung des 12-Kreis-ZF-Verstärkers

Lageplan
Bild 10: Lageplan des ZF-Verstärkers

Leiterbild
Bild 11: Leiterbild der ZF-Verstärker-LP

Foto vom ZF-Verstärker
Bild 12: Der fertige ZF-Verstärker

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Letzte Bearbeitung: 19. 09. 2013
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