Reparaturhinweise
Schaltkreise auslöten und ersetzen:
Wechsel von Schaltkreisen:
Benötigte Werkzeuge:
- kleiner, aber heißer
Feinlötkolben
, es geht auch eine regelbare Lötstation
(im Bild von links nach rechts: 6W-, 8W- und 16W-Lötkolben, der 6W-Kolben ist für SMD-Bauteile gut geeignet)
- kleiner Seitenschneider, besser ein
Vorn-Schräg-Schneider
(im Bild links)
- kurze, kräftige Pinzette oder schmale
Flachzange
(im Bild unten)
- Zinnsaugpumpe oder
Ausblasschlauch
(B-Schlauch, im Bild oben)
- Zinn, Kollophonium, Spiritus, Lupe, Zahnbürste
Es gibt zwei Möglichkeiten, einen Schaltkreis auszulöten: Auslöten und Rausschneiden.
Am Beispiel von zwei russischen Muxer-Schaltkreisen werden beide Methoden hier beschrieben und dem mutigen Reparateur Hinweise gegeben.
Dennoch, der ungeübte Reparateur sollte an einer anderen alten Leiterplatte Erfahrungen sammeln, bevor er sich an erhaltenswerte DDR-Technik wagt!
Methode 1 - Herauskneifen (schont die Leiterplatte, der Schaltkreis wird zerstört):
Die beiden braunen Schaltkreise vor der "Behandlung".
Der Vorn-Schrägschneider in Aktion. Die Beinchen werden dicht am Gehäuse durchtrennt.
Der Schaltkreis ist entfernt, die Beinchen stehen noch.
Auf der B-Seite werden danach die Lötaugen erwärmt und das abgekniffene Beinchen mit der Pinzette herausgezogen.
Alle Pins sind entfernt. Jetzt sind noch die Lötaugen auszublasen. Die Platine darf nicht auf dem Tisch aufliegen. Es muß Platz für den Luftstrom und das Zinn sein (Papier oder Lappen unterlegen).
Dazu werden die Lötaugen erwärmt, bis das Zinn flüssig ist. Nach dem Wegziehen des Lötkolbens wird das "Blasrohr" aufgesetzt und mit einem kurzen Luftstoß die Durchkontaktierung freigeblasen. Dabei ist darauf zu achten, daß das Zinn auf der L-Seite ungehindert herausspritzen kann.
Abschließend werden die Lötaugen auf beiden Seiten von eventuellen Zinnresten befreit (mit dem Lötkolben und/oder der Zahnbürste) und mit einem spiritusgetränkten Lappen vom Kollophonium gereinigt. Eine Kontrolle auf Feinschlüsse mit einer Lupe ist angebracht.
Methode 2 - Auslöten (es können Leiterzüge beschädigt werden):
Auf der L-Seite werden die Lötaugen des Schaltkreises einzeln erwärmt. Ist das Zinn flüssig genug, wird die Lötkolbenspitze weggenommen, die gespannte Auslötpumpe auf das Lötauge gesetzt und durch den Betätigungsknopf das Absaugen ausgelöst. Das muß schnell hintereinander erfolgen, damit das Zinn nicht wieder erstarrt.
Sind alle Durchkontaktierungen freigelegt, wird mit der Pinzette oder der Flachzange an allen Pins gezuppelt, bis sich das Bauelementeanschlußbeinchen in allen Richtungen frei bewegt. Notfalls muß noch ein zweites Mal erwärmt und abgesaugt werden.
Sind alle Pins locker, wird von der B-Seite her der Schaltkreis
VORSICHTIG (!)
mit einem Schraubenzieher herausgehebelt. Unsymmetrisches Kippeln ist hilfreich, auch das Ansetzen des Schraubenziehers mal von der einen, dann von der anderen Seite, ist günstig. Ist kein Schaltkreis zum Abstützen in der Nähe, kann ein Holzklötzchen o.ä. als Hilfsstütze verwendet werden.
Ist der Schaltkreis entfernt, werden auch hier die Lötaugen auf beiden Seiten von eventuellen Zinnresten befreit und vom Kollophonium mit einem spiritusgetränkten Lappen gereinigt. Eine Kontrolle auf Feinschlüsse mit einer Lupe ist angebracht.
Auch die L-Seite ist gereinigt.
Die entfernten Übeltäter, der eine rausgekniffen, der andere rausgelötet.
Fassungen sind eingesetzt, verlötet und die neuen Schaltkreise sind gesteckt.
Abschlußbegutachtung auf der L-Seite.
Letzte Bearbeitung: 10. 12. 2009
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