VOODOO - hört man dieses Wort in unserem - ach, so christlichen -
Abendland, verbindet man dieses nur mit einem blutigen, barbarischen Kult.
Versucht man jedoch tiefer in diese nach archäologischen Funden mindestens
4.000 Jahre alte Kultur einzudringen, muß man erkennen, daß der
Voodooo-Kult eine äußerst komplexe Religion darstellt. Die Wurzeln
des Voodoo liegen in Westafrika, etwa dort, wo heute die Länder Liberia und
Benin zu finden sind. Das Wort Voodoo bedeutet in der Fon-Sprache (ein Stamm des Benin): "Das, was
man nicht ergründen kann", "Die Kraft, die wirksam ist", "Gott" oder
"Geist". Nach dem Weltbild des Kultes hat sich "das Universum selbst verursacht und
schafft sich permanent neu". Diese Aussage ist auch in anderen Religionen
Grundlage der Weltanschauung und sollte durchaus von den etablierten
Wissenschaften ernstgenommen werden. Die Götterwelt des Voodoo ist ein Pantheon mit über 260 Gottheiten.
An deren Spitze steht der Schöpfergott, der sich in den Wesenheiten
Mawu und Lissa verkörpert. Dies beiden stellen das
männliche und weibliche Prinzip dar. Der Schöpfergott kann also als
hermaphroditische Gottform angesehen werden. Dies ist ein weiterer Hinweis auf
eine geistige Verbindung mit den Künsten der Hermetik in Europa, die den
Hermaphroditen ebenfalls als den Ursprung der Schöpfung ansehen. Für die Eingeborenen in Westafrika gibt es keine strenge Trennung
zwischen Leben und Tod, die sie als die "Sphären der sichtbaren und
unsichtbaren Welt" ansehen. Interessant ist eine Legende des Stammes der Fon aus dem Benin: Die Voodoo-Götter wurden vor Urzeiten ins Land geholt, weil dieses im
Chaos versank. Man erhoffte sich Rettung von den Göttern. Besonders
bemerkenswert ist, daß in der Zeit des Chaos "Frauen Ziegenböcke zur
Welt brachten und Ziegen Menschen gebaren." Man sollte sich in diesem
Zusammenhang die Darstellungen von Zwitterwesen aus dem vorderen Orient und
Ägypten in Erinnerung rufen. Als Deutung der Zeichen der Götter wird im Voodoo ein Orakel befragt,
das als Botschaft der Götter verstanden wird. Dieses Fa-Orakel
besitzt den gleichen Stellenwert wie etwa im Judentum die Thora. Das eigentliche Ritual des Voodoo
besteht aber darin, durch Trancezustände in Verbindung mit den Göttern
zu treten. Dies geschieht in der Regel durch einen Tanz, in dessen Verlauf die
Tänzer in einen ekstatischen Zustand verfallen und von einer Gottheit
besessen sind. Durch die Versklavung der schwarzafrikanischen Stämme kam die Religion des Voodoo nach Süd- und Mittelamerika. In Brasilien ist es heute der Umbanda oder Candomble-Kult, in Kuba der Kult Santeria. Aus eigener Erfahrung möchte ich nun eine Zeremonie beschreiben der ich
persönlich beigewohnt habe. Durch intensive Recherchen bekam ich Verbindung
zu einem in Deutschland praktizierenden Eingeweihten des Santeria-Kultes,
der hauptsächlich in Kuba beheimatet ist. Es handelte sich bei diesem Ritual um die Austreibung eines "bösen Geistes".
Diese Besessenheit bestand darin, daß der Klient drogenabhängig war:
abhängig von Kokain, LSD oder anderen bewußtseinserweiternden
Substanzen. Der Santeria-Priester brachte als erstes seinem Fetisch,
einer hölzernen Figur, ein Opfer dar. Dieses Opfer beinhaltete die
Schlachtung eines Tieres, in diesem Falle eines Hahnes, und der Besprühung
des Fetisches mit hochprozentigem Rum. Der Voodoosi nimmt dabei den Rum in den
Mund und besprüht den Fetisch damit. Nach diesem Opferitual versetzte sich
der Priester in eine Art Trancezustand. Nach kurzer Zeit fiel auch der Klient in
einen ähnlichen Trancezustand. Der Voodoosi nahm in der Zwischenzeit
Kontakt zu dem Geist des Klienten auf und betrachtete die ihn angreifenden
Wesenheiten. Er zerstörte die Verbindung zwischen den negativen Elementen
und dem Geist des Klienten; er baute eine Art Barriere zwischen diesen auf. Der interessanteste Aspekt ist der, daß der Voodoo-Priester offensichtlich in der Lage ist, eine Verbindung zu einer geistigen Welt aufzubauen. Wenn dem so ist, erscheint es nur logisch, daß der Mensch nicht nur körperlich existent ist, sondern auch als Seele und Geistwesen existiert. Jeder, der sich mit Hermetik beschäftigt hat, wird diese Sicht der Dinge als ganz normal ansehen. Wenn diese Naturvölker in der Lage sind, die beschriebenen Zustände von Vergeistigung zu erreichen, warum fällt es uns "fortschrittlichen" Menschen doch offensichtlich so schwer? Wo liegt die Ursache dafür, daß dies nur noch sehr wenige können? Durch die Einsetzung des Materialismus als "einzige wahre Religion" haben es
gewisse Kreise geschafft, den Menschen sich selbst so weit zu entfremden,
daß er sich selbst nur noch als rein körperlich existent sieht. Ohne
die Erkenntnis der Naturwissenschaftler, daß die Grundvoraussetzung
für die Ausübung ihrer Tätigkeit die Wissenschaft des Geistes
ist, werden wir nie den Zustand der Erkenntnis erreichen, den sich der Mensch
seit Anbeginn der Zeiten als Ziel setzt. Es ist wünschenswert, daß sich in Zukunft genug Freigeister finden, die diesem fatalen Verfallsprozess Einhalt gebieten und sich zu einer Einheit zusammenfinden, die es uns ermöglicht, die Mauern, zwischen denen wir gefangen sind zu zerstören. Diejenigen, die sich intensiver mit dem Voodoo-Kult auseinandersetzen möchten, verweise ich an die Autoren des Buches "Voodoo", Henning Christoph und Hans Oberländer, die mich mich zu diesen Ausführungen inspiriert haben. © Dirk Henry Klipphahn, 1998
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